Dann sagte sie die Worte, die mir alles klar machten.
„Die Bank war heute Morgen da.“
Ich runzelte die Stirn. „Welche Bank?“
„Sie sagten, wir seien mit den Hypothekenzahlungen im Rückstand.“
Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken.
Mein Stiefvater hatte immer damit geprahlt, wie finanziell abgesichert sie seien. Das Haus war groß, erst kürzlich renoviert und lag in einem der besseren Vororte.
„Du hast mir gesagt, das Haus sei bereits abbezahlt“, sagte ich langsam. Wieder Stille.
Dann flüsterte meine Mutter: „Ist es nicht.“
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und verstand plötzlich, warum sie so auf meine Wohnung reagiert hatte.
„Wie hoch sind eure Schulden?“
„Fast vierhunderttausend Dollar.“
Die Zahl traf mich wie ein Schlag.
„Das ist unmöglich“, sagte ich. „Wie konnte es so hoch werden?“
Meine Mutter zögerte.
„Dein Stiefvater … er hat in einige Geschäftsprojekte investiert. Die haben nicht funktioniert.“
Natürlich nicht.
„Und jetzt droht die Bank mit der Zwangsversteigerung“, fügte sie hinzu. „Sie haben uns drei Monate gegeben.“
„Du dachtest also, der Verkauf meiner Wohnung würde alles regeln?“
„Du bist unser Sohn!“, schrie sie verzweifelt. „Du solltest uns helfen!“
Einen Moment lang überkam mich wieder das alte Schuldgefühl.
Dasselbe Schuldgefühl, das mich schon früher dazu gebracht hatte, ihre Rechnungen zu bezahlen.
Dasselbe Schuldgefühl, das mich dazu veranlasst hatte, ihnen zu jedem Feiertag und Geburtstag Geld zu schicken.
Aber diesmal war etwas anders.
„Du hast mich doch schon rausgeschmissen“, sagte ich leise.
„Das war nur Wut! Stell dich nicht so an!“
Ich sah mich in meiner Wohnung um.
Sonnenlicht strömte durch die hohen Fenster. Die Luft roch noch nach frischer Farbe und neuen Möbeln.
Es fühlte sich an wie Freiheit.
„Du hast mir gesagt, ich soll mich nie wieder blicken lassen.“
„Michael, bitte“, sagte sie mit sanfter Stimme. „Wir sind Familie.“
Ich dachte an die Treppe.
An den Stoß.
An die Worte „billige Wohnung“.
„Wo ist Emily?“, fragte ich.
„Sie ist hier“, sagte meine Mutter schnell. „Sie weint. Vielleicht kann sie jetzt nicht studieren.“
Natürlich weinte sie.
Aber nicht nur einmal.