Die Finger meiner Mutter gruben sich in meinen Arm. „Deine Schwester braucht es dringender als du. Chloe hat es schwer. Du bist in Sicherheit. Du hast Ethan. Es wird alles gut.“
Ich sah Chloe an, die mit einem Glas Wein in der Hand übertrieben lachte. Ihre Designerhandtasche baumelte an ihrem Handgelenk – ein Beweis dafür, dass es ihr gut ging. Jahrelang hatte sie „gekämpft“ – Kreditkarten bis zum Limit ausgereizt, Jobs verloren, unüberlegte Entscheidungen getroffen. Irgendwie landete die Schuld immer bei mir.
„Ich werde ihr nicht das Geld ihres Vaters geben“, sagte ich leise.
Das Lächeln meiner Mutter blieb unverändert, aber ihr Blick wurde schärfer. „Blamiere mich heute Abend nicht.“
Ich versuchte zu fliehen. Sie folgte mir.
„Du schuldest dieser Familie etwas“, zischte sie und lächelte die Gäste dabei immer noch an. „Wenn du es nicht bis Montag aushändigst, werde ich allen erzählen, was du wirklich bist.“
„Was bin ich eigentlich?“, fragte ich.
Ihr Blick glitt zu Ethan und seinen Eltern. „Egoistisch. Undankbar. Kalt.“
‘Halt’, sagte ich.
Das tat sie nicht. Jetzt lauter: „Natalie, mach es mir nicht so schwer. Hilf einfach deiner Schwester.“
In der Nachbarschaft verstummten die Gespräche. Die Menschen hörten zu.
Ich spürte, wie der alte Druck wieder aufstieg – die Schuldgefühle, die mich immer schon erschaudern ließen.
Diesmal nicht.
„Nein“, sagte ich deutlich. „Ich habe genug davon.“