Ein Vorstoß, der das Kranksein neu denkt

Lange galt in Deutschland das eiserne Alles-oder-Nichts-System: Wer nicht einsatzfähig ist, bleibt komplett zu Hause – Punkt. Nun will Gesundheitsministerin Nina Warken dieses Dogma knacken und Arbeitsunfähigkeit künftig in Stufen messen lassen. Der Entwurf verspricht Flexibilität, Wirtschaftslobbyisten jubilieren bereits über mögliche Milliardeneinsparungen, und der Kanzler sieht darin ein „Modernisierungssignal“.
Gleichzeitig wächst in den Fluren der Hausarztpraxen die Sorge vor einem Bürokratie-Tsunami. Mediziner fürchten, dass sie künftig nicht mehr nur Diagnosen stellen, sondern auch Arbeitszeitmodelle kalkulieren müssen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: „Wir werden zu Teilzeit-Controllers der Unternehmen degradiert.“