Meine Mutter hatte die Mutter meines Verlobten immer noch nicht kennengelernt, was eigentlich schon vor Monaten hätte passieren sollen.
Karen hatte immer eine Ausrede.
„Ich bin so beschäftigt.“
„Lass es uns machen, wenn es ruhiger ist.“
„Es soll etwas Besonderes werden.“
Dann rief sie mich eines Tages in einem ungewöhnlich fröhlichen Ton an, der mich sofort nervös machte.
„Meine Schwestern und ich möchten deine Mutter zum Essen einladen“, sagte sie. „Ein richtiges erstes Treffen. Wir laden dich ein.“
Sobald sie das Restaurant erwähnte, zögerte ich.
Es war so ein Laden, über den die Leute mehr posteten, als dass sie tatsächlich dort aßen. Weiße Tischdecken. Winzige Portionen. Zu viele Gabeln. Eine Weinkarte, die sich wie ein Kreditantrag las.
Meine Mutter mochte solche Läden nicht. Nicht, weil sie sich eingeschüchtert fühlte – sie mochte einfach alles nicht, was zu steif oder aufgesetzt wirkte.
Ich sagte: „Das ist nicht so ihr Stil.“
Karen lachte. „Genau deshalb laden wir sie ein. Sie soll sich endlich mal etwas Elegantes gönnen.“
Das ärgerte mich mehr, als ich zeigte.
Trotzdem wiederholte sie immer wieder denselben Satz.
„Wir laden ein. Ich bestehe darauf.“
Meine Mutter war gerührt, als ich es ihr erzählte.
„Das klingt schön“, sagte sie. „Ich weiß, dass sie dir wichtig ist. Ich möchte, dass alles gut läuft.“
Ich hätte ihr beinahe abgeraten. Hätte ich tun sollen.
Das Problem mit Karen war, dass sie und ihre Schwestern zwar Geld hatten, es aber wie eine Druckmittel einsetzten. Während der Hochzeitsplanung hatte ich beobachtet, wie sie jede Ausgabe zu einer moralischen Aussage machten. Sie führten ständig Buch. Sie gaben sich großzügig – bis ihnen diese Großzügigkeit tatsächlich etwas kostete.
Ich redete mir ein, ich sei einfach nur zynisch.
Das Abendessen war für 19 Uhr angesetzt.
Gegen 12 Uhr klingelte mein Telefon.
Es war meine Mutter.
Sobald ich ihre Stimme hörte, stand ich auf.
„Schatz?“
„Mama, was ist passiert?“
Sie klang angespannt. Verlegen. Als wollte sie nicht, dass es jemand mitbekam.
„Ich glaube, es stimmt etwas nicht.“
Mir stockte der Atem. „Erzähl schon.“
Sie holte tief Luft. „Karens Schwestern sind zuerst gegangen. Sie sagten, sie müssten wegen eines Notfalls telefonieren. Dann meinte Karen, sie müsse kurz raus, um einen Anruf anzunehmen, und wäre gleich wieder da.“
„Wie lange ist das her?“
„Fast eine halbe Stunde.“