Lange Zeit galten Demenz und kognitiver Abbau in der Medizin und der Öffentlichkeit als traurige und unvermeidliche Folgen des Alterns. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch etwas anderes. Zwar wird Gedächtnisverlust durch verschiedene Lebensstilfaktoren wie Alkoholmissbrauch, chronischen Stress, Schlaflosigkeit und Nährstoffmangel beeinflusst, doch es gibt einen weiteren, oft übersehenen Übeltäter, der in unseren Hausapotheken lauert.
Viele häufig verschriebene Medikamente sind zwar bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen wirksam, haben aber schwerwiegende Nebenwirkungen auf die Gehirngesundheit. Bei falscher oder langfristiger Anwendung können einige dieser scheinbar harmlosen Medikamente das Gedächtnis und die Konzentration beeinträchtigen und sogar eine schwere Demenz auslösen. Hier sind sieben Medikamentengruppen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.
1. Kortikosteroide
werden zur Behandlung von Asthma, schweren Allergien oder Autoimmunerkrankungen verschrieben und sind starke entzündungshemmende Medikamente. Ihre Langzeitanwendung, insbesondere die orale Einnahme, ist jedoch nicht ohne Risiken für das Nervensystem.
Forschungen haben gezeigt, dass diese Medikamente die Struktur des Gehirns verändern können. Glukokortikoide wie Prednison beeinträchtigen die Gehirnfunktion, indem sie den Cortisolspiegel, ein Stresshormon, beeinflussen. Überschüssiges Cortisol schädigt schließlich den Hippocampus, eine für das Gedächtnis wichtige Hirnregion. Eine große Studie in Großbritannien mit über 500.000 Teilnehmern bestätigte ein erhöhtes Demenzrisiko bei Patienten, die Kortikosteroide zur Behandlung von Asthma einnahmen. Daher wird empfohlen, diese Medikamente in der niedrigstmöglichen Dosis und über den kürzestmöglichen Zeitraum einzunehmen.
2. Anticholinergika:
Diese Medikamentenklasse wird häufig zur Linderung von Parkinson, überaktiver Blase und einigen Atemwegserkrankungen eingesetzt. Ihr Wirkmechanismus beruht auf der Blockierung von Acetylcholin, einem für Lernen und Gedächtnis essenziellen Neurotransmitter.
Die langfristige Blockade dieses Neurotransmitters hat verheerende Folgen für die kognitive Funktion. Laut einer Studie der Universität Washington, in der über 3.500 ältere Menschen zehn Jahre lang beobachtet wurden, erhöht die regelmäßige Einnahme von Anticholinergika das Demenzrisiko um 54 %. Dieses Risiko steigt proportional zur Dosis und Behandlungsdauer.
3. Protonenpumpenhemmer (Omeprazol)
Omeprazol, Pantoprazol und Esomeprazol sind Protonenpumpenhemmer (PPI), die häufig zur Linderung von Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Gastritis eingesetzt werden. Obwohl sie durch die Reduzierung der Magensäure eine schnelle Linderung verschaffen, birgt ihre chronische Anwendung alarmierende Risiken für die neurologische Gesundheit.
Eine Studie mit fast 6.000 Teilnehmern ergab, dass 33 % der Patienten, die diese Medikamente länger als viereinhalb Jahre einnahmen, kognitive Beeinträchtigungen aufwiesen. Dieses Phänomen lässt sich größtenteils dadurch erklären, dass eine verminderte Magensäureproduktion die ordnungsgemäße Aufnahme von Vitamin B12 verhindert. Ein langfristiger Vitamin-B12-Mangel ist eine bekannte Ursache für schwere neurologische Erkrankungen und ein erhöhtes Demenzrisiko.
4. Benzodiazepine