Das Mädchen, etwa acht oder neun Jahre alt, war absichtlich unscharf positioniert. Ihre Gestalt war nicht ganz scharf. Der Fotograf hatte die Schärfentiefe so eingestellt, dass sie zwar präsent war, aber nicht auffiel.
Ricardo bemerkte ein weiteres beunruhigendes Detail: Das Mädchen hielt ein Bündel mit ungewöhnlicher Festigkeit an ihre Brust gedrückt.
Bessere Kameras
Der Zoom, der alles veränderte
Ricardo digitalisierte das Bild mit einem hochauflösenden Scanner und zoomte in den Bereich hinein, auf dem das Mädchen zu sehen war. Da erkannte er es deutlich.
Der Gegenstand, den sie trug, war nicht nur ein einfaches Tuch: Es war ein sorgfältig gefaltetes Baumwollkleidchen für Kinder . Dunkle Flecken , unregelmäßige Spritzer und ein Brandriss waren auf dem Stoff zu sehen . Es gab keinen Zweifel: Es waren Spuren von Blut und Feuer.
Historische Bestätigung
Ricardo wandte sich an Mariana Guzmán, eine Historikerin, die sich auf Fotografien aus der Porfiriatszeit spezialisiert hatte. Nach der Analyse des Bildes und der Aufzeichnungen der Hacienda San Miguel de las Flores gelangten sie zu einer erschreckenden Schlussfolgerung.
Das Kleid gehörte Lucía , einem fünfjährigen Mädchen, das wenige Tage zuvor an schweren Verbrennungen gestorben war, nachdem es gezwungen worden war, in der Küche mit siedendem Öl zu helfen. Sie erhielt keine medizinische Versorgung und wurde ohne Zeremonie beerdigt.